Die Architektin Annabelle Selldorf

Über: The Clark Institute - New Yorks Kunstbetrieb - Frank Gehry

Später würde Annabelle Selldorf über die Sache mit dem Moderator in Williamstown sagen: „Keiner hat sich daran gehalten, nur ich braves deutsches Mädchen.“ Dann würde sie darüber lachen, und dann würde sie hinzufügen: „But I liked the idea.“

Die Idee des Moderators ist nämlich die, dass alle in der Runde zunächst einmal sagen, was „The Clark“ für sie bedeutet – in einem Satz. Und die deutsche Architektin Annabelle Selldorf, Architektin, wohnhaft und tätig in New York, ist als erste dran.

Continue reading

Tijuana und die Mauer

Über: Die Mexikogrenze - Botox - Horror

Die Grenze ist in die eine Richtung eine Drehtür, und in die andere ist es eine Warteschlange. In die eine Richtung geht alles sehr, sehr schnell. In die andere dauert alles sehr, sehr lange. (Im Sinne von: SEHR, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr lange.)

Es gibt nun Leute, die sagen, dass eine Grenze sich auflöst, wenn man nahe genug ran geht und lange genug draufschaut. Aber die Mauer, die Zäune, die Stacheldrahtrollen und die Drehtür machen es schon so digital wie möglich: Null oder Eins, drinnen oder draußen, USA oder Mexiko. Es gibt bei dieser stählernen Drehtür den Moment, wo kein Zurück mehr möglich ist; nur das zählt. Und von einem Augenblick auf den anderen ist alles anders, sieht anders aus, riecht auch anders. Eben noch: weiß lackierter Stahl und die schwarzen Rundaugen der Überwachungskameras. Jetzt: Behelfswände aus Holzfaserplatten, Buden, Staub, Menschen. Aber eine Passkontrolle? Continue reading

Little Russia, Brighton Beach

Über: Russland - die Ukraine - einen Strand in Brooklyn

Du nimmst von Manhattan aus die U-Bahn-Linie Q, fährst nach Brighton Beach und bist in einem anderen Land, musst allerdings trotzdem mit Dollars bezahlen. Im Restaurant Gambrinus am Ocean Parkway tun die Kellner zum Beispiel so, als befänden wir uns auf dem Panzerkreuzer Potemkin: Sie tragen Matrosenhemden und wirken außerordentlich gefechtsbereit. Nicht alle sprechen Englisch, die wenigsten sprechen überhaupt besonders viel, und schüchternes Schulrussisch ändert an der insgesamt eher einschüchternden Gebärde, mit der sie einem den Borschtsch hinstellen, auch nicht wirklich was. Das trinkgeldgeile Kellnergrinsen überlässt man im Gambrinus selbstbewusst dem großen Rest Amerikas.

Hier soll es nun neulich ein kleines Gerangel gegeben haben zwischen Anhängern der ukrainischen Sache und ein paar Burschen, die das St.-Georgs-Band trugen, orange-schwarz gestreift, aus dem Zarenreich herübergewachsenes Symbol russischer Tapferkeit. Erzählen manche. Andere wiederum sagen: Ach was. Im Moment geht die Tendenz der Meinungen zu: Ach was. Continue reading

Krieg um die Hauptstadt des Internets

Über: San Francisco - Hippies - Big Data

Es ist der Tag, an dem die Nachricht vom Tod Frank Schirrmachers das Silicon Valley erreicht. Es ist an jenem Donnerstag um kurz vor neun am Morgen: Die Veranstaltung, auf der es um das Schirrmacher-Thema des Datensammelns gehen sollte und darum, wie sich dadurch unsere Lebenswelt verändern wird, ist in eine andere Halle verlegt worden. Der Blick auf das Smartphone sucht nach einer Email, die verraten würde, in welche. Was er findet, ist leider eine andere. Und ausgerechnet hier davon zu erfahren, in der Heimat von Google und Facebook: Das darf man schon noch einmal besonders verstörend nennen.

Continue reading

Mein Besuch bei Sonny Rollins in Woodstock

Über: Jazz - Hipster - Heroin

Wer Sonny Rollins besuchen will, besuchen darf, den „Saxophon Colossus“, die letzte noch amtierende Original-Gottheit des BeBop aus den Jazzkellern von Harlem: Der muss zunächst einmal New York City hinter sich lassen. Der muss den Weg nehmen, den zuvor schon Bob Dylan genommen hat und die Leute von The Band, unter anderen, der muss also links am Hudson hoch in die Wälder von Woodstock, of all places. Dort wohnt Sonny Rollins, jetzt 83 Jahre alt, nämlich. Continue reading