Rafael Horzon lädt schon für den nächsten Tag zur Lesung von Joachim Lottmann in seinem Möbelladen auf der Torstraße in Berlin-Mitte. Und ausgerechnet da ist man zufällig gerade mal nicht in der Stadt, sondern auf Reisen. Die Mail kommt gleich dreimal hintereinander. Das verdeutlicht die Dringlichkeit des Ereignisses. Horzon ist ja nicht nur ein prominenter Berliner Designer, der Wikipedia gerichtlich untersagte, ihn als Künstler zu bezeichnen. Er ist auch einer der entscheidenden Kulturveranstalter, der zum Beispiel eben erst mit seinem komplett privat betriebenen Deutschen Design Museum der Stadt gegeben hat, was ihr mindestens seit der Schließung der Berliner Filiale des Vitra-Design-Museums fehlte. Außerdem hat er selbst Bestseller geschrieben (unter anderem „Das weiße Buch“), deren Leserschaft eine Schnittmenge mit der von Lottmann haben dürfte. Er verweist in allen drei E-Mails auf einen Artikel von Volker Weidermann aus der Zeit vom Oktober, aus dem die traurige Nachricht hervorging, dass der 69 Jahre alte Lottmann tödlich erkrankt sei. Sehr viel mehr neue Bücher wird man wohl nicht erwarten dürfen, öffentliche Auftritte noch weniger.
Es muss also auf der Stelle umgebucht und heimgeflogen werden. Die Familie ist konsterniert. Die Reise war lange geplant und gebucht, was soll da auf einmal wichtiger sein: „Joachim – wer?“
Es ist leider gar nicht so ungewöhnlich, dass der Name Lottmann manchen Menschen nicht viel zu sagen scheint, vor allem jüngeren, älteren und solchen aus dem Ausland. Aber das ist ungerecht und nicht die Schuld von Joachim Lottmann, der dafür in einer gewissen Alterskohorte der Bundesrepublik sehr große Bewunderung genießt. Immerhin schreibt er ungefähr aller paar Monate ein neues Buch, und die sind alle leichtfüßiger dahinerzählt als das meiste, das sonst so auf Deutsch gedruckt wird. Sehr heiter war zum Beispiel „Endlich Kokain“: Ein Fettleibiger wird…
Der vollständige Artikel erschien in der Süddeutschen Zeitung vom 22.12.2025 und kann online hier gelesen werden.