Fertig

Über: BER - den Look von Peek&Cloppenburg-Filialen ca. 1998 - TXL

„Fertig ist besser als gut“ ist eine Weisheit, die fast jeder einmal zu hören bekommt, der zu lange an einem Projekt herumwerkelt. Bei dem Projekt, einen gemeinsamen Großflughafen für Berlin und Brandenburg zu bauen, ging andererseits sogar dieser Motivationsspruch nach hinten los: Continue reading

Claude Monet, das Geld und Hasso Plattner

Über: Claude Monet - Geld - Hasso Plattner

Die wertvollsten Strohhaufen der Welt sind also ab sofort in Potsdam zu sehen. 111 Millionen Dollar hat die Kunststiftung des Unternehmers Hasso Plattner bei einer Auktion vergangenen Mai dafür bezahlt, gewissermaßen für jeden Halm im Bild einen. Dafür ist es allerdings auch ein besonders prachtvolles, nicht zuletzt auch besonders strohballenreiches Exemplar aus der Serie von Gemälden, die Claude Monet 1890 von diesem Sujet angefertigt hat. Die Summe habe weit über dem Schätzpreis gelegen, erklärte Plattner zur Eröffnung der Ausstellung „Monet. Orte“, aber bevor das Bild „irgendwo in China“ verschwindet … Andächtiges Raunen in den Reihen. Continue reading

Horzon vs. Wikipedia

Über: Künstler - Unternehmer - Duchamp et al.

Wer sich im Internet über Rafael Horzon erkundigen will, erfährt auf Wikipedia, dass er ein „deutscher Künstler, Unternehmer, Schriftsteller und Designer“ sei. Dagegen geht Horzon nun juristisch vor. Er möchte der Wikimedia Foundation Inc. untersagen lassen, ihn auf ihrer deutschen Website weiterhin als Künstler zu bezeichnen. Seine Anwältin sieht hier einen Eingriff in Horzons Persönlichkeitsrechte. Nachdem die Frist, die sie zur Unterlassung gestellt hatte, am vergangenen Freitag abgelaufen ist, will Horzon nun gerichtliche Schritte einleiten. Continue reading

Mitteldeutsch

Über: Rechte - und Linke - in Sachsen

Mit dem Beginn des Mittagsläutens hatte sich der Trauerzug in Bewegung gesetzt, und als die Glocke in der Dorfkirche zum Ende kam, war die Urne bereits, mit Blumen bestreut, einen Meter unter der Erde. Denn die Friedhöfe sind überschaubar im Erzgebirge, da ist der Weg von der Kapelle zum Grab nicht weit. Dafür geht der Blick über flache Mauern weit ins Land und ist insgesamt von großer Tröstlichkeit, jedenfalls für die Hinterbliebenen. Zumal die Verstorbene, betagt wie sie war, nirgendwo anders die letzte Ruhe finden wollte und das Essen im Gasthof immer noch so gut und reichlich ist. Bei Soljanka, Forellen, Rouladen und Schnitzeln, letztere zum Teil mit Würzfleisch überbacken, wird nacher, wie es sich gehört, der Dahingeschiedenen gedacht und die Arbeit des Bestatters gewürdigt, der allerdings auch eine beeindruckende Erscheinung war mit seinem Zylinder, seiner goldenen Uhrenkette und seinem goldenen Gebiss. Als zum Nachtisch die Eisbecher mit Sahne aufgetragen werden, kreist das Gespräch längst um verjährte Affären und das Maß an Toleranz, das den Erzgebirglern seit jeher abverlangt worden sei, vor allem den Frauen: Wenn man bedenke, dass früher die Bauern hier nicht nur mit ihren Bäuerinnen Kinder hatten, sondern oft auch mit den Mägden. „Aber das war kein Problem, die wurden einfach mit untergebuttert.“ Continue reading

Heute wieder Lebensreform

Über: Monte Veritá - Midlife Crisis - Gurus

Man muss nicht zu der Sorte Mensch gehören, die sich in ihrer Freizeit ins Universum einschwingt, um sicher sagen zu können, dass es zur Zeit nirgendwo darin einen Ort geben dürfte, der weniger nach spirituellen Sinnsuchern, Aussteigern und Kommunenleben aussieht als Ascona am Lago Maggiore in der Schweiz. Die Atmosphäre an der Uferpromenade wird vielmehr bis heute völlig dem gleichnamigen Mittelklasse-Opel aus den Siebzigern gerecht, und die Häuser an den Hängen sehen immer noch aus wie auf dem berühmten Plakat von Klaus Staeck („Deutsche Arbeiter, die SPD will Euch Eure Villen im Tessin wegnehmen.“) Oben glänzt der Schnee auf den Alpen wie die Sahne auf der Torte, unten gluckert schwarz der See, und wenn man zwischendrin Angela Merkel beim Urlauben hier träfe, würde es einen nur deshalb wundern, weil es schon deutlich teurer ist als in Südtirol; allerdings: Adenauer war auch schon da. Continue reading