Henrike Naumann ist tot, nach spät diagnostizierter, kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Das hat das Institut für Auslandsbeziehungen am Sonntagabend bestätigt. Das ist die Institution, die für die Gestaltung des deutschen Pavillons auf der Biennale von Venedig verantwortlich ist.
Eigentlich hätte dies nämlich das Jahr sein sollen, in dem Henrike Naumann endlich die ganz große internationale Bühne betritt. Dass sie auserkoren war, auf der im Mai eröffnenden Biennale gemeinsam mit Sung Tieu den deutschen Pavillon zu füllen, war schon in sich als starkes Statement wahrgenommen worden und hatte zu großen Erwartungen geführt: zwei jüngere Künstlerinnen, die beide wesentlich im Ostdeutschland der Nachwendezeit sozialisiert wurden und sich mit den Verwerfungen im Nachwende-Deutschland auch künstlerisch viel auseinandersetzen.
Das im Zusammenhang mit dem Pavillon gern verwendete Verb „bespielen“ hätte Naumann bei ihrem Form- und Sprachbewusstsein sehr wahrscheinlich als leichtfertige Floskel zurückgewiesen. In ihrem Fall war die Frage tatsächlich konkret die, wie sie den deutschen Pavillon möblieren würde. Denn in die jüngere deutsche Kunstgeschichte ist Henrike Naumann als diejenige eingegangen, die Möbel am konsequentesten als Medien von Ideologie, Sozialgeschichte und Politik ernst genommen hat. Das mag auch damit zu tun haben, dass sie in Dresden und Potsdam eigentlich Bühnenbild, Kostüm und Szenografie studiert hatte, damit aber nicht die Bühne oder den Film ansteuerte, sondern das Museum.
Bis vor wenigen Tagen war in der eben zu Ende gegangenen Ausstellung „Wohnkomplex – Kunst und Leben im Plattenbau“ in Potsdam noch einmal Naumanns epochale Diplomarbeit zu sehen: Die Installation „Triangular Stories“ zeigt zwei dreieckige Ausschnitte aus ostdeutschen Nachwendewohnungen, eine davon komplett mit den mutig gemusterten Discountermöbeln der frühen Neunziger, mit Videorekorder, CD-Regal – und Reichskriegsfahne an der Raufasertapete. Diese Installation hatte Naumann damals schlagartig berühmt gemacht, weil sie mit diesem lakonischen Hyperrealismus etwas zusammenfasste, wofür andere dicke Bücher über die heute sogenannten Baseballschlägerjahre brauchten….
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Der vollständige Artikel erschien am 16.2.2026 in der Süddeutschen Zeitung und kann hier gelesen werden.