Opernbauboom in Deutschland

Am vergangenen Sonntag war die Kölner Oper schon Thema im „Tatort“. Nebenher ging es um einen Mord, eigentlich aber um das Rätsel, warum die Sanierung des Opernhauses so kriminell lange dauert. Statt der veranschlagten zwei Jahre mittlerweile mehr als 13. Und warum das so kriminell viel kostet. Statt 250 Millionen Euro inzwischen fast eine Milliarde, alle Nebenkosten eingerechnet, sogar rund eineinhalb. Der Fall scheint ein bisschen zu komplex zu sein, um von TV-Kommissaren über einer Currywurst gelöst werden zu können. Dabei ist er keineswegs ungewöhnlich.

Auch in Augsburg zum Beispiel ist das Große Haus schon seit zehn Jahren wegen Grundsanierung geschlossen, müssen Theater und Oper in Ausweichspielstätten gezeigt werden, deren Kosten zu der Sanierung immer noch dazugerechnet werden müssen. In Stuttgart soll sich die Wiederöffnung des Opernhauses sogar bis in die 2040er-Jahre verzögern, weil schon die Interimsspielstätten erst mit etlichen Jahren Verspätung fertig werden. Hier sind bereits Kosten von zwei Milliarden im Gespräch.

In Nürnberg wiederum hat die Stadt auch wegen der knackigen Nebenkosten beschlossen, während der Sanierung des Opernhauses eine Ausweichbühne kurzerhand an den Torso der Nazi-Kongresshalle anzubauen, damit deren pompöse Treppenhäuser auch mal zu was nutze sind, wenn die ihrerseits schon mit beträchtlichen Mitteln instand gehalten werden müssen. Selbst für diesen – wie gesagt nur temporären – Anbau sind 85,5 Millionen Euro veranschlagt, die gesamte Operation ist mit 296 Millionen kalkuliert; aber im Vergleich mit anderen Städten muss man das fast sparsam nennen.

Es gibt immerhin ein paar Indizien, warum das so ist. Das wichtigste lautet schlicht: Oper. Ist nun einmal aufwendig, komplex, auch bühnentechnisch, und in ihren Betriebsabläufen maximal anspruchsvoll.

Wenn diese Technik und die Abläufe auf dem neuesten Stand der Dinge sein sollen, muss meistens sehr grundsätzlich rangegangen werden. Zum Wesen dieser Dinge wiederum gehört, dass das Publikum am Ende gar nicht sieht, was in der Regel das meiste Geld verschlingt. Nach der Generalsanierung der Berliner Staatsoper von 2010 bis 2017 waren viele ganz erstaunt, dass es, von einem in die Höhe gewachsenen Zuschauerraum abgesehen, hinterher dort mehr oder weniger genauso aussah wie voher (was auch das Ziel der Planer gewesen war). Der größte Teil der 440 Millionen Euro war fürs Publikum unsichtbar in einen Techniktunnel zwischen Opernhaus und Magazin geflossen.

Dass solche teuren Sanierungen jetzt in dermaßen vielen deutschen Städten gleichzeitig anstehen, mag damit zu tun haben, dass manche Häuser noch nie, andere seit den Jahrzehnten nicht saniert worden sind. Dass es dann auf einmal keinesfalls so weitergehen kann, hat wiederum seine Gründe auch in den vielen bau- und arbeitsrechtlichen Standards, die naturgemäß immer weiter verfeinert werden wollen. Und dass für ambitionierte Bauprojekte im Zweifel einfacher Geld besorgt werden kann als für den regulären Programmbetrieb, das wiederum ist ein haushaltspolitisches Phänomen, das man auch aus anderen Bereichen kennt….

Der vollständige Artikel erschien am 16.1.26 im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung und kann in Gänze online hier gelesen werden.