Kann schon sein, dass der Fuchs inzwischen ein passenderes Wappentier für Berlin abgäbe als der Bär. Seit der Bärenzwinger am Märkischen Museum abgeschafft wurde, sieht man auch hier nur noch welche im Zoo. Füchse dagegen sieht man überall, noch mehr als Wildschweine, nicht zuletzt rund um den Alexanderplatz. Die Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst hat den Fuchs jedenfalls jetzt schon einmal zum Wappentier ihrer neuesten Ausgabe gemacht. Sie will aus dem renitenten Treiben der Wildtiere in der Großstadt ein Prinzip herauslesen, das sich mit dem Vorgehen von Künstlern in Beziehung setzen lässt.
Das deutsche Adjektiv „fuchsig“ geht dabei allerdings genau in die falsche Richtung, das englische „foxy“ in seinen sexuellen Konnotationen auch. Das Wort, das nun neu kreiert wurde, lautet vielmehr „foxing“ und soll bestimmte Taktiken des Verhaltens beschreiben: die alte Märchenmetapher der Listigkeit natürlich, dazu kommt eben die Renitenz, das nonchalante Hinwegsetzen über menschengemachte Regeln und Barrieren, eine huschende Beweglichkeit, die flüchtige Erscheinung im Scheinwerferkegel der Aufmerksamkeit.
Das passt zunächst einmal zur Berlin Biennale selbst, die sich auch früher schon nicht immer an die Vorgabe ihres eigenen Namens gehalten hat; mitunter findet diese Biennale nicht alle zwei, sondern nur alle drei Jahre statt. Auch diese Ausgabe hat wieder etwas länger gebraucht, die Kuratorensuche hat sich gezogen, und ein Sicherheitsabstand zur letzten Documenta wie auch zur Venedig-Biennale schien geraten. Jetzt zur Eröffnung zeigt sich: Das war keine schlechte Idee. (…)
Der vollständige Text erschien zur Eröffnung der Berlin Biennale 2025 in der Süddeutschen Zeitung vom 14.6.2025 und kann online hier gelesen werden.