Die ältesten Stellen der deutschen Hauptstadt sind zurzeit auch die, die am trostlosesten aussehen, und das will bei den Berliner Standards etwas heißen. Die Keimzelle der Stadt ist der Mühlendamm, heute eine unspektakuläre Betonbrücke über die Spree, die zuletzt um die Hälfte der Fahrbahnen schmaler gemacht wurde, wodurch sich nun Tag und Nacht ein Verkehrsstau bildet, der wiederum durchaus spektakulär ist.
„Der Mühlendamm, das Herz Berlins, ist eine langweilig und lieblos gebaute Brücke“, schrieb Walther Kiaulehn schon in den Fünfzigerjahren: „Der Damm, der die Spree durchzieht, dazu eine Handvoll Häuser rechts und links vom Fluß, das war ursprünglich einmal die ganze Stadt. Genauer gesagt zwei Städte. Die ältere hieß Cölln, die jüngere Berlin.“ Die Cöllner seien Fischer gewesen, die Berliner hingegen „Fuhrleute und Gastwirte“. Der Mühlendamm habe diese beiden Städte nicht nur verbunden, sondern auch getrennt: „Die Cöllner mochten die Berliner nicht, die Berliner verachteten ganz Cölln.“ Continue reading