Flake: „Tastenficker“

Über: Keyboarder - Feeling B/Rammstein - Mülltonnen

Und dann wird der Junge vom Auto überfahren. Er trottet, wir befinden uns in den Siebzigerjahren, auf einer Landstraße seinen Eltern hinterher, hört einen Motor, erinnert sich, dass man außerhalb von Ortschaften zur Sicherheit links gehen soll, will daher noch die Seite wechseln.

Dann lag ich auf der Straße und hatte den Blinker im Mund. Ich habe das mit dem Blinker im Mund gern erzählt, und dass er noch geblinkt hat, aber das stimmt nicht, denn erstens war kein Kabel mehr dran und zweitens wollte der Fahrer gar nicht abbiegen.“

Nicht viele erzählen so gern von ihren Missgeschicken. Nur wenige haben allerdings auch so viele zu bieten. Continue reading

On Kawara im Guggenheim

Über: seine Postkarten - seine Telegramme - ihre jeweiligen Empfänger

Erstaunlich, wie interessant die Retrospektive für On Kawara im New Yorker Guggenheim Museum ist. Das war nicht unbedingt zu erwarten, wenn einer sein Leben lang nichts als das aktuelle Datum auf Leinwände malt oder Telegramme mit der Mitteilung versendet, dass er am Leben sei, oder eine Million Jahre in Bücher einträgt. Zu erwarten gewesen wäre ein ehrfurchtgebietendes Monument, die eisige Erhabenheit eines Werkes, das dem Dasein in der Welt, dem Vergehen der Zeit und damit in letzter Konsequenz natürlich dem Warten auf den Tod gewidmet war. On Kawara hat seine Tage gezählt wie andere Leute Schäfchen vor dem Einschlafen. Continue reading

Autonomie und Autofahren

Über: Google Cars - Droschken - Emanzipation

Die fahrerlosen Fahrzeuge werden kommen. Das ist so sicher wie die Tatsache, dass irgendwann das Reich Gottes kommt. Jedenfalls für die, die daran glauben. Oder, für die, die daran glauben, der Kommunismus. Das ist mit anderen Worten von jener Sorte Sicherheit, bei der diejenigen, die fest darauf setzen, erstaunlich ärgerlich werden können, wenn andere es an Begeisterung über die frohe Botschaft mangeln lassen.

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Schlund

Über: Pegida - Dresden - Erich Kästner

Und plötzlich wartet man wieder auf eine Straßenbahn in die Innenstadt, wo eine Montagsdemo stattfinden soll, so wie damals, vor der Ewigkeit von 25 Jahren, als man auch schon kein kleiner Junge mehr war, aber doch immerhin noch ziemlich jung.

„Und plötzlich steht man wieder in der Stadt, in der die Eltern wohnen und die Lehrer und andre, die man ganz vergessen hat“, schrieb Erich Kästner mal in einem Gedicht mit dem Titel „Führung durch die Jugend“, und weil es eben ein Gedicht war, gab es auch einen Reim dazu: „Mit jedem Schritte fällt das Gehen schwerer.“ Kann sein, dass das an vielen Orten gilt. Aber da wo Kästner herkam, gilt es auf jeden Fall, denn über „das Glück, in Dresden aufgewachsen zu sein“, hat er zwar in seinen Kindheitserinnerungen ausführlich berichtet, aber wenn er als Erwachsener dahin zurückkehrte, im Roman oder im Gedicht, dann stand „der Fleischer Kurzhals“ immer noch vor seinem Haus und nickte zurück und sah verwundert aus: „Man kennt ihn noch. Er ist sich nicht im Klaren.“ Continue reading